Was ist Qi?
Das Leben ist ein unendlicher Fluss namens Qi
Zwei Buchstaben, die es in sich haben: Qi, sprich: tschi. In diesem kurzen Wörtchen liegt für Chinesen das ganze Universum. Als 'Lebenskraft' oder 'Energie' wird es im Westen oft übersetzt, doch Qi bedeutet weit mehr als das. Das Qi ist so etwas wie die Melodie des Kosmos, sichtbar und zugleich unsichtbar steckt es in allem, das existiert.
Mit ängstlichem Blick zeigt die junge Patientin dem Arzt ihr Gesicht: Feuerrote Bläschen brei-ten sich darauf aus und jucken unerträglich. Für einen Schul-mediziner ist der Fall klar - die Pusteln sprechen für Herpes Zoster, eine Viruserkrankung, die mit virushemmenden Medika-menten behandelt wird. Doch der hier konsultierte Arzt ist nicht nur Schulmediziner, sondern auch erfahren in der chinesischen Medizin. "Tobenden Wind in der Haut", erkennt er in dem Ausschlag, eine gravierende Störung des Qi, der Vitalkraft des Mädchens. Sie kann die krankmachenden Einflüsse - Chinesen nennen sie "Wind", "Feuer" oder "Kälte" - nicht abwehren.
Fachchinesisch? Wer die Bedeutung des Qi, der allumfassenden Lebenskraft, in der chinesischen Medizin und Weltsicht verstehen will, kommt mit westlicher Logik nicht allzu weit. Bei uns kennt man das Qi als Silbe in Qi Gong oder Tai Chi - beides sind meditative, fließende Bewegungsübungen aus China. Der chinesische Philosoph Lao Tse lehrt, das Qi werde aus dem Universum geboren - unser eng physikalisch gefasster Begriff "Energie" wird dem so universalen Qi also kaum gerecht. Chinesen definieren das Qi erst gar nicht, wandelt es sich ja doch unaufhörlich. In allen Dingen tritt es in Erscheinung. Alles was ist, setzt sich aus Qi zusammen.
Der Rhythmus des Qi bestimmt, wie wir uns fühlen

So hat zum Beispiel ein Haus und jedes einzelne Zimmer darin sein ureigenes Qi, das die Funktion des Raums bestimmt. Das Qi des Schlafzimmers ist gut zum Schlafen, nicht aber zum Arbeiten. Das Qi des Arbeitszimmers ist anders, als das der Küche... Auch alle Nahrungsmittel besitzen ein Qi, das sie bitter oder kühl, süß, scharf oder sauer sein lässt. Überall auf der Erde fließt die allgegenwärtige Energie, auf einem schneebedeckten Berg, in einer hektischen Stadt, an einem windigen Strand... All das ist so und nicht anders, weil das Qi so und nicht anders darin wirkt. Auch den Menschen prägt das Qi: sein Aussehen und sein Verhalten, seine Stimmungen, seine Gesundheit. Sanft und harmonisch zirkuliert es normalerweise auf den Energie-Leitbahnen des Körpers, den Meridianen. Fließt es aber zu schnell oder zu langsam oder fehlt es uns an Qi, fühlen wir uns schlapp oder werden gar krank. Kann das Nieren-Qi nicht ungehindert fließen? Folge einer Blockade können zum Beispiel Störungen im Wasserhaushalt des Körpers sein. Mangelt es an Abwehr- Qi? Erkältungen und Virusinfektionen drohen! Lunge, Leber, Herz - alle Organe besitzen ihr eigenes Qi und funktionieren nur so lange reibungslos, wie der Qi-Fluss nicht aus seinem Takt gerät.
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