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Chinesische Diätetik


Von der Heilkraft des Geschmacks

Bitter-süß oder sauer-salzig - bei den Chinesen geht Gesundheit durch den Magen.
Ihre traditionelle Ernährungslehre handelt von der Heilwirkung der Nahrung auf Körper, Seele und die Lebensenergie Qi (sprich:tschi) und begegnet Krankheiten mit Gaumenfreuden. Exotische Zutaten braucht man nicht, um sich nach der fernöstlichen
Philosophie zu ernähren. Auch mit heimischen Lebensmitteln kann Essen zur Therapie werden und etwa eine Akupunkturbehandlung ergänzen



Auf dem Speiseplan von Carmen P.s "Fünf- Elemente-Kochkurs" stehen Kohlrabi- Kräutersuppe, Chicoree-Salat, Linsen- Rosmarin-Eintopf... Sachkundig erläutert die Expertin für chinesische Medizin und Ernährung die Effekte der Geschmacksrichtungen
auf den Körper: Salziges weicht Energieblockaden auf. Bitteres wie etwa Chicoree wirkt austrocknend bei zu viel "Feuchtigkeit" - aus chinesischer Sicht oft Ursache von Übergewicht. Süß wiederum, der Geschmack, der Getreide oder Fleisch zugeordnet wird, baut Qi auf.



Essen im Einklang mit dem Universum - so könnte die Quintessenz der chinesischen Ernährungsphilosophie lauten. Wie alles im Kosmos ist auch unsere Nahrung von Yin und Yang, dem weiblichen und dem männlichen Prinzip der Lebensenergie Qi sowie vonden fünf Elementen bestimmt: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.
Alles Saure zum Beispiel - Orangen, Zitronen, Tomaten - gehört zum Holzelement, dem Element des Frühlings, der Farbe Grün, der Organe Leber und Gallenblase...

Richtig essen - das Qi stärken
 
"Bei uns", erklärt Carmen P., "will man wissen, wieviel Vitamin C, Kalzium oder Fett ein Lebensmittel enthält, in China dagegen, ob und wie die in der Nahrung wirkende Qi-Energie unser Körper- Qi stärkt und harmonisiert. " Essen dient also nicht nur dem Genuss und Sattwerden, sondern ist auch Medizin. "Wenn man eine Krankheit behandelt, sollte zuerst eine Ernährungstherapie erfolgen!" lehrte der Arzt Sun Si Miao schon im 9. Jahrhundert. Hintergrund ist die Vorstellung, dass Krankheit eine Disharmonie im Fluss des Qi ist, das auf den Meridianen durch unseren Körper strömt und das wir aus unserer Nahrung beziehen. Das Gu Qi, wie Chinesen die aus der verdauten Nahrung entstehende Energie nennen, wird im Körper in Blut umgewandelt und nimmt so Einfluss auf alle Organe. Ist dies nicht im Lot, kann es durch die Wahl der richtigen Nahrung reguliert werden. Manche Lebensmittel heben, manche senken das Qi, manche kühlen es, manche erhitzen es.

Auch die Art der Zubereitung hat großen Einfluss. So vermehrt z.B. langes Kochen den Qi-Gehalt - ausgiebig geschmortes Wurzelgemüse wie Karotten oder Kohlrabi wärmen und aktivieren das Erdelement im Körper, also vor allem die Verdauungsorgane. Kurz gekochtes, grünes Gemüse wie Spinat oder Broccoli dagegen entspannt bei Migräne und kühlt bei Beschwerden, die durch "Hitze" entstehen - einer der sechs Faktoren, die aus chinesischer Sicht Krankheiten verursachen.


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