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Über 5000 Heilsubstanzen gehören zum Arzneimittelschatz der Chinesischen Medizin - einige davon haben sich auch in unserer westlichen Schulmedizin durchgesetzt. Wie alle chinesischen Methoden heilt auch die Kräutermedizin nur nach einem Leitsatz: krankmachende Disharmonien.
Die 18-jährige Ella ist happy: Endlich ist sie weg, die unansehnliche Allergie auf Wangen und Stirn! Zwei Jahre lang hatte sich die Gymnasiastin mit dem juckenden Hautausschlag herumgeschlagen, der scheinbar durch nichts zu vertreiben war. Salben, Medikamente, zuckerarme Diät - die roten Pusteln widersetzten sich allen Therapieversuchen. "Mitten im Gesicht!", erzählt Ella. "Es war so peinlich, so uncool!" Dass gegen ihr atopisches Ekzem, wie der Arzt die Hautallergie nannte, doch ein Kraut gewachsen sein könnte, hatte Ella nicht erwartet. Doch schon nach drei Tagen Behandlung mit den "chinesischen Tropfen" waren die Pusteln viel blasser, am sechsten Tag waren sie ganz verschwunden. Ellas Arzt, der in Chinesischer Medizin ausgebildet ist, hatte eine Mixtur aus chinesischen Kräutern verordnet, ein Konzentrat aus Pfingstrose, Clematis und acht weiteren Stoffen. Die "kühlenden" Kräuter waren genau die richtige Therapie gegen das "Feuer" auf Ellas Haut - Brennen, Jucken und eine starke Rötung, die klar auf ein Übermaß an hitziger Yang-Energie im Immunsystem der Achtzehnjährigen hinwiesen. Die Kräutermedizin konnte das übermütige Yang zügeln und das Yin, den weiblichen, kühlen, passiven Anteil des Abwehr-Qi (sprich: tschi) stärken.
Heiß, süß, kühl, bitter machen gesund
Das Arzneimittel-Handbuch des Arztes Li Shizhen aus dem 16. Jahrhundert gilt noch heute als "Schatzhaus der chinesischen Medizin". Es beschreibt über 10.000 Rezepturen und deren Wirkung. Eine Apotheke für Chinesische Medizin der Gegenwart hat etwa 600 bis 800 Arzneidrogen vorrätig. Für die fernöstliche Kräutertherapie kann der Arzt also aus einem riesigen Fundus an pflanzlichen, mineralischen und tierischen Stoffen wählen und diese individuell auf seinen Patienten abstimmen. Meist enthält ein chinesisches Medikament 10 bis 15 Stoffe, die unterschiedlich zur Heilwirkung beitragen. Wie die Akupunktur beeinflussen auch die Heilkräuter das auf Energiebahnen fließende Qi und wirken so auf die Organe. Diese werden gekräftigt oder beruhigt, Krankheitsursachen wie "Hitze" oder "Wind" werden ausgeleitet, je nachdem, welche Temperaturqualität der Kräuterarznei zugeschrieben wird - kalt, heiß, warm oder kühl - und welche der fünf Geschmacksrichtungen sie vertritt - scharf, süß, salzig, bitter oder sauer. Die Heilwurzel Ingwer zum Beispiel gilt als wärmend und scharf, wirkt schleimlösend auf die Lunge und lindert Hustenreiz bei Bronchitis, da sie krankmachenden "Wind" vertreibt.

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