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Meridiane


Lebens-Linien auf Chinesisch

Den Längengraden der Erde vergleichbar überziehen sie unseren Körper - die Meridiane. Chinesen sehen in diesen gedachten, senkrechten Linien Bahnen, auf denen unsere Lebenskraft Qi als unendlicher Strom dahinfließt. Wie "Energiezentralen" liegen die Akupunkturpunkte darauf. Werden sie stimuliert, kann das Qi freier fließen, Störungen seines Gleichgewichts werden harmonisiert, Krankheitssymptome verschwinden.

Sanft sticht der Kieler Facharzt für Naturheilverfahren dünne Nadeln entlang einer unsichtbaren Linie, die über der Wirbelsäule seiner Patientin verläuft. Marianne D. liegt auf dem Bauch, das feine Pieksen spürt sie kaum - trotzdem hat sie das Gefühl, als lösten die Nadeln eine Belebung in ihrem Körper aus. Sie ist entspannt und die leise, meditative Musik scheint sich mit dem inneren Strömen zu verbinden, das die 40- Jährige nach einigen Minuten in Kopf, Hals und Brustraum, im Becken und in den Beinen empfindet. "Dieses Gefühl des Fließens nennen wir De Qi!", erklärt der in Chinesischer Medizin ausgebildete Arzt, der Marianne D. wegen häufiger Blasenentzündungen behandelt. "De Qi bedeutet, dass die Lebensenergie Qi stärker in Bewegung kommt, nachdem die Akupunkturnadeln gesetzt wurden!" Nach der chinesischen Lehre fließt das Qi (sprich: tschi) nicht ohne System durch unseren Körper, sondern in geordneten Bahnen, den Meridianen. Auf Chinesisch heißen sie Jing Luo, was übersetzt "ein Faden, der etwas miteinander verknüpft" bedeutet: Das unsichtbare Netzwerk der Meridiane vereint alle Teile des Körpers und ist so unverzichtbar für das harmonische Gleichgewicht.

Die Meridiane verbinden Seele und Körper

12 Haupt- sowie 8 Sondermeridiane ziehen sich von der Schädeldecke bis zu den Zehen. Die meisten von ihnen sind nach dem Organ benannt, das ihnen zugeordnet ist: Dünndarm-, Dickdarm-, Gallenblasen-Meridian, Nieren- Leitbahn...

Im Mittelpunkt der Akupunkturbehandlung, die Marianne D. erhält, steht die zur Blase gehörige Blasenleitbahn - sie entspringt am inneren Augenwinkel, verläuft über die Stirn zum Hinterkopf und dann parallel zum Rückgrat. Wie sie stehen auch alle anderen Meridiane in einer wechselseitigen Beziehung mit den Organen - allerdings verstehen Chinesen unter einem "Organ" nicht genau dasselbe wie die westliche Medizin. Für sie bezeichnet der Begriff nicht nur ein bestimmtes Organ, sondern zusätzlich alle zu diesem gehörenden seelischen und körperlichen Funktionen. Die Organ- oder Funktionskreise Blase und Niere zum Beispiel umfassen auch Gewebsarten wie Knochen oder Haare, die Ohren sowie psychische Faktoren wie den Willen. Nierenschwäche - ein Mangel des auf dem Nierenmeridian fließenden Qi - kann sich etwa durch Antriebsschwäche oder Ängstlichkeit äußern. Der Dickdarm-Meridian wiederum beeinflusst auch Zeigefinger, Handgelenk, Ellbogen und Nase. 


 

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