Studienlage zu Akupunktur bei Depressionen: 


 

Suchstrategie: Pubmed: (acupuncture or acupressureor tuina or moxibustion) and depression

Hier aufgeführt: AktuelleReviews, zusätzlich aktuellere RCTs, die nach dem Zeitraum veröffentlichtwurden, der von den  Reviews abgedecktwird.


Hintergrund:

Fast 15% der Menschen inwestlichen Ländern erkranken im Laufe ihres Lebens mindestens einmal anDepressionen. Dies betrifft zunehmend auch jüngere Generationen und führt zueinem Anstieg an Krankheitstagen, stationären Behandlungen undFrühverrentungen. Die Behandlung erfolgt mit Psychotherapie und / odermedikamentöser Therapie mit Antidepressiva. Die Vergangenheit hat gezeigt, dassdie Wirksamkeit dieser Antidepressiva im individuellen Fall stark schwankenkann. Gerade bei leichten (Patient fühlt sich krank und sucht ärztliche Hilfe,kann aber trotz Leistungseinbußen seinen beruflichen und privaten Pflichtennoch gerecht werden) bis mittelschweren (Berufliche oder häuslicheAnforderungen können nicht mehr oder – bei Tagesschwankungen – nur nochzeitweilig bewältigt werden) Depressionen ist die Wirksamkeit  deutlich schlechter als bei schweren (DerPatient bedarf ständiger Betreuung, ggfs. in einer Klinik) Episoden. Zusätzlichwerden viele Patienten durch die Nebenwirkungen abgeschreckt und suchen Hilfebei komplementärmedizinischen Verfahren wie der Akupunktur.


Zusammenfassung und Schlußfolgerung:

Einen ausführlicheren Überblicküber die aktuelle wissenschaftliche Datenlage erhalten Sie weiter unten unterdem Punkt „Datenlage“. Auch wenn derzeit keine aktuelle Metaanalyse zurWirksamkeit von Akupunktur bei Depressionen allgemein existiert, so kann manaufgrund der dort vorgestellten Literatur folgende Schlussfolgerungen ziehen:Es gibt gute Hinweise, dass die Akupunktur eine wirksame Behandlungsform fürDepressionen darstellt. Die Kombination von Antidepressiva (SSRIs) mitAkupunktur wirkt besser als SSRIs alleine. Darüber hinaus existieren guteHinweise, dass Akupunktur als alleinige Therapie mindestens genauso wirksam istwie SSRIs. Besonders in der Schwangerschaft und wenn man mit Antidepressivazurückhaltend sein möchte, bietet die Akupunktur eine guteBehandlungsalternative.


Datenlage:

Übersichtsarbeiten:

In der Literatur, die seit 2013veröffentlicht wurde, fanden sich verschiedene Übersichtsarbeiten zum ThemaAkupunktur bei Depressionen. Eine Übersichtsarbeit fasst verschiedene Studienzu einem Thema zusammen. Deshalb eignen sich Übersichtsarbeiten, sofern sieaktuell sind, um einen Überblick über die bestehende Datenlage zu bekommen.Eine der vier Arbeiten beschäftigt sich nicht nur mit Akupunktur, sondernverschiedenen physikalischen und komplementärmedizinischen Verfahren [4].Leider werden die eingeschlossenen Studien lediglich aufgezählt, ohne aus derSumme der Ergebnisse weitere Schlussfolgerungen zu ziehen. Daher wird sie hiernicht weiter besprochen, kann aber unter diesem link eingesehen werden: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25308394

Die verbleibenden drei werden imFolgenden kurz vorgestellt:

Sniezek et al. fassten sechsStudien zu Angst und Depression bei Frauen zusammen [14].Vier der eingeschlossenen Studien befassten sich mit Depressionen, eine mitAngst und eine mit beidem. Die Studien verwendeten verschiedene Kontrollgruppenvon keiner Intervention, über Sham-Akupunktur bis hin zu Massage. Manche Studienhatten mehrere Kontrollgruppen. In jeder der sechs Studien fand sich eineÜberlegenheit der Akupunktur im Vergleich mit mindestens einer derKontrollgruppen. Besonders interessant ist, dass in zwei der sechs StudienSchwangere mit Depressionen untersucht wurden. In beiden Studien fand sich inder Akupunkturgruppe eine deutlichere Besserung der Symptome als in derunspezifischen Akupunkturgruppe. Diese war allerdings nur in einer der beidenStudien statistisch signifikant. Beide Studien machen Angaben zu unerwünschtenWirkungen. Diese traten bei 21 von 101 Patientinnen auf und bestanden ausSchmerzen an der Einstichstelle. In einem Fall kam es zu einer Blutung an derEinstichstelle. Die beiden Studien an Schwangeren waren qualitativ hochwertig,zwei weitere von akzeptabler Qualität und die restlichen zwei von schlechterQualität. Die Autoren schlussfolgern, dass man mit einer hohenwissenschaftlichen Evidenz den Einsatz von Akupunktur bei Depressionen in derSchwangerschaft empfehlen kann.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24761171

Chan et al. führten eineMetaanalyse mit 13 Studien mit insgesamt 1046 Patienten mit depressiver Störungdurch, die nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen war [6].Dabei wurden nur Studien eingeschlossen, die die Antidepressiva (SSRIs) mitSSRIs plus Akupunktur verglichen. Welche Akupunkturform eingesetzt wurde,spielte dabei keine Rolle. Nach sechs Wochen Behandlungsdauer wurden dieGruppen verglichen. Dabei war die Kombination aus SSRIs und Akupunktur deralleinigen Therapie mit SSRIs statistisch signifikant überlegen, auch inHinblick auf einen früheren Wirkeintritt.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25704563

Einen ähnlichen Ansatz verfolgtenZhang et al. [18]:Sie konzentrierten sich auf die Kombination von Elektroakupunktur und SSRIs undverglichen diese mit SSRIs alleine. Mit dieser Fragestellung führten sie eineMetaanalyse von sechs Studien mit insgesamt 431 Teilnehmern durch. Sie fanden,dass die Kombination der Monotherapie signifikant überlegen war in der HamiltonDepression Scale, der Self-Rated Depression Scale und der Side Effect RatingScale. Diese Effekte zeigten sich teilweise bereits in der erstenAuswertungswoche und hielten über den Auswertungszeitraum von vier Wochen an.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26655087

 

Originalia

Bei unserer Literatursuchekonnten zwischen 2013 und Oktober 2016 vierzehn randomisiert-kontrollierteStudien zum Thema Akupunktur und Depressionen gefunden werden:

-       Sieben davon wählten den Vergleich mit einerForm der Sham-Akupunktur (oberflächlich [7],off-point [7],minimal [5; 11],Placebo-Dauernadeln [10],nicht-invasiv [9; 19]oder inaktivierter Sham-Laser[13]).Sechs von diesen sieben konnten eine Überlegenheit der Akupunktur gegenüberSham, zumindest in Teilbereichen zeigen [5; 7; 9; 10; 13; 20].

-       Eine weitere Arbeit wählte den Vergleich miteiner Wartelistengruppe und sah hier eine signifikante Verbesserung der Werteim Beck Depression Index [3].

-       Zwei RCTS entschieden sich für den Vergleich derbereits oben beschriebenen Kombination von SSRIs mit Akupunktur mitSSRI-Monotherapie [12; 16].Beide fanden die Kombination signifikant überlegen.

Klinisch interessanter als dieErgebnisse der oben erwähnten Studien ist der direkte Vergleich mit Antidepressiva:Wang et al. untersuchten Persönlichkeitszüge und Depressionsskalen beidepressiven Patienten und verglichen dabei Elektroakupunktur mit dem SSRIParoxetin [17].Nach 24 Wochen waren beide Gruppen im Vorher-Nachher-Vergleich gebessert, ohnesignifikanten Unterschied zwischen den Gruppen. Eine Subskala für Paranoia undsoziale Introversion war in der Akupunkturgruppe signifikant besser. Sun et al.verglichen in einem dreiarmigen Design 75 Patienten mit depressiven Störungen [15]:Eine Gruppe erhielt Elektroakupunktur, eine Gruppe mit Nadelakupunktur und einewar die medikamentöse Kontrollgruppe, die mit dem SSRI Fluoxetin behandeltwurde. Der Beobachtungszeitraum waren sechs Wochen. Die Elektroakupunktur undFluoxetin hatten vergleichbare Effekte, wobei Elektroakupunktur einenschnelleren Wirkeintritt und höhere Besserungsrate hatte als Fluoxetin.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23647408

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24092242

Die verbleibenden zwei Studienwählten ein pragmatisches Design, das im Rahmen der Grundversorgung in demjeweiligen Land umgesetzt werden konnte:

Eine schwedische Studie vonArvidsdotter et al. vergliche drei verschiedene Behandlungen an 120 Patientenmit psychischen Beschwerden verschiedenster Art [1]:Eine Gruppe erhielt Akupunktur, eine andere die konventionelle Behandlung unddie dritte eine integrative Behandlung, die aus einer Kombination ausAkupunktur und einer salutogenetischen Beratung bestand. Die konventionelleTherapie konnte aus Beobachtung, medikamentöser Therapie und / oderpsychologischen Gesprächen oder Psychoedukation bestehen. Die Patienten wurdenmit dem HADS Fragebogen bzgl. Angst und Depression evaluiert. Nach vier undacht Wochen waren die Werte für Angst und Depression in der Akupunktur- und inder integrativen Gruppe signifikant niedriger als in der Gruppe, die mitkonventioneller Behandlung therapiert wurde. Bei einem Follow-up nach sechsMonaten waren alle drei Gruppen gebessert gegenüber der Ausgangssituation, aberAkupunktur und integrative Therapie waren immer noch signifikant besser als diekonventionelle Behandlungsgruppe [2].

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24200100

MacPherson et al. untersuchten755 Patienten mit moderater bis schwerer Depression aus 27 Hausarztpraxen inNordengland [8].Die Patienten wurde im Verhältnis 2:2:1 den folgenden Gruppen zugelost:Akupunktur (1x/Woche, insg. 12 Sitzungen), Psychotherapeutische Gespräche(humanistischer Ansatz) und Standardbehandlung. Ungefähr 69% der Patienten nahmAntidepressiva, fast die Hälfte (49%) nahmen Schmerzmittel ein. DerBeobachtungszeitraum betrug 3 Monaten mit einem follow-up nach 12 Monaten. DiePatienten wurden mit dem PHQ-9 Fragebogen evaluiert. Sowohl die Patienten inder Akupunkturgruppe, als auch die in der Psychotherapiegruppe erfuhren eineReduktion der Depressionswerte im Vergleich zu der Gruppe mitStandardbehandlung. Diese Reduktion war für Akupunktur stärker ausgeprägt alsfür Psychotherapie, aber der Effekt war statistisch nicht signifikant. DieEinnahme von Antidepressiva ging im Beobachtunszeitraum in allen drei Gruppenzurück. Die Einnahme von Schmerzmitteln ging in der Akupunkturgruppe deutlichzurück, allerdings hielt dieser Effekt nicht über das Ende der Behandlunghinaus an. Die Rate an schwerwiegenden (bzw. nicht-schwerwiegenden)unerwünschten Ereignissen war 5,3% (bzw. 18,5%) in der Akupunkturgruppe, 8,6%(15,6%) in der Psychotherapiegruppe und 6,0% (26,5%) in derStandardbehandlungsgruppe. Keines der schwerwiegenden Ereignisse war mit dererhaltenen Behandlung in Verbindung zu bringen.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24086114

 

Literaturverzeichnis:

[1] Arvidsdotter T,Marklund B, Taft C. Effects of an integrative treatment, therapeuticacupuncture and conventional treatment in alleviating psychological distress inprimary care patients--a pragmatic randomized controlled trial. BMC ComplementAltern Med 2013;13:308.

[2] Arvidsdotter T, Marklund B, Taft C. Six-month effects ofintegrative treatment, therapeutic acupuncture and conventional treatment inalleviating psychological distress in primary care patients--follow up from anopen, pragmatic randomized controlled trial. BMC Complement Altern Med2014;14:210.

[3] Bosch P, van den Noort M, Yeo S, Lim S, Coenen A, van LuijtelaarG. The effect of acupuncture on mood and working memory in patients withdepression and schizophrenia. J Integr Med 2015;13(6):380-390.

[4] Brandon AR, Crowley SK, Gordon JL, Girdler SS. Nonpharmacologictreatments for depression related to reproductive events. Curr Psychiatry Rep2014;16(12):526.

[5] Carvalho F, Weires K, Ebling M, Padilha Mde S, Ferrao YA,Vercelino R. Effects of acupuncture on the symptoms of anxiety and depressioncaused by premenstrual dysphoric disorder. Acupunct Med 2013;31(4):358-363.

[6] Chan YY, Lo WY, Yang SN, Chen YH, Lin JG. The benefit of combinedacupuncture and antidepressant medication for depression: A systematic reviewand meta-analysis. J Affect Disord 2015;176:106-117.

[7] Fan L, Fu W, Chen Z, Xu N, Liu J, Lu A, Su S, Wu T, Ou A.Curative effect of acupuncture on quality of life in patient with depression: aclinical randomized single-blind placebo-controlled study. J Tradit Chin Med2016;36(2):151-159.

[8] MacPherson H, Richmond S, Bland M, Brealey S, Gabe R, Hopton A,Keding A, Lansdown H, Perren S, Sculpher M, Spackman E, Torgerson D, Watt I.Acupuncture and counselling for depression in primary care: a randomisedcontrolled trial. PLoS Med 2013;10(9):e1001518.

[9] Man SC, Hung BH, Ng RM, Yu XC, Cheung H, Fung MP, Li LS, LeungKP, Leung KP, Tsang KW, Ziea E, Wong VT, Zhang ZJ. A pilot controlled trial ofa combination of dense cranial electroacupuncture stimulation and bodyacupuncture for post-stroke depression. BMC Complement Altern Med 2014;14:255.

[10] Noda Y, Izuno T, Tsuchiya Y, Hayasaka S, Matsumoto K, MurakamiH, Ito A, Shinse Y, Suzuki A, Nakamura M. Acupuncture-induced changes of vagalfunction in patients with depression: A preliminary sham-controlled study withpress needles. Complementary therapies in clinical practice 2015;21(3):193-200.

[11] Qian X, Zhou X, You Y, Shu S, Fang F, Huang S, Zhou S.Traditional Chinese Acupuncture for Poststroke Depression: A Single-BlindDouble-Simulated Randomized Controlled Trial. J Altern Complement Med2015;21(12):748-753.

[12] Qu SS, Huang Y, Zhang ZJ, Chen JQ, Lin RY, Wang CQ, Li GL, WongHK, Zhao CH, Pan JY, Guo SC, Zhang YC. A 6-week randomized controlled trialwith 4-week follow-up of acupuncture combined with paroxetine in patients withmajor depressive disorder. J Psychiatr Res 2013;47(6):726-732.

[13] Quah-Smith I, Smith C, Crawford JD, Russell J. Laseracupuncture for depression: a randomised double blind controlled trial usinglow intensity laser intervention. J Affect Disord 2013;148(2-3):179-187.

[14] Sniezek DP, Siddiqui IJ. Acupuncture for Treating Anxiety andDepression in Women: A Clinical Systematic Review. Med Acupunct2013;25(3):164-172.

[15] Sun H, Zhao H, Ma C, Bao F, Zhang J, Wang DH, Zhang YX, He W.Effects of electroacupuncture on depression and the production of glial cellline-derived neurotrophic factor compared with fluoxetine: a randomizedcontrolled pilot study. J Altern Complement Med 2013;19(9):733-739.

[16] Wang T, Wang L, Tao W, Chen L. Acupuncture combined with anantidepressant for patients with depression in hospital: a pragmatic randomisedcontrolled trial. Acupunct Med 2014;32(4):308-312.

[17] Wang WD, Lu XY, Ng SM, Hong L, Zhao Y, Lin YN, Wang F. Effectsof electro-acupuncture on personality traits in depression: a randomizedcontrolled study. Chin J Integr Med 2013;19(10):777-782.

[18] Zhang Y, Qu SS, Zhang JP, Sun YL, Liu WL, Xie L, Huang Y, ChenJQ. Rapid Onset of the Effects of Combined Selective Serotonin ReuptakeInhibitors and Electroacupuncture on Primary Depression: A Meta-Analysis. JAltern Complement Med 2016;22(1):1-8.

[19] Zhang ZJ, Ng R, Man SC, Li JT, Wong W, Wong HK, Wang D, WongMT, Tsang AW, Yip KC, Sze SC. Use of electroacupuncture to accelerate theantidepressant action of selective serotonin reuptake inhibitors: asingle-blind, randomised, controlled study. Hong Kong Med J 2013;19 Suppl9:12-16.

[20] Zhang ZJ, Ng R, Man SC, Li TY, Wong W, Tan QR, Wong HK, ChungKF, Wong MT, Tsang WK, Yip KC, Ziea E, Wong VT. Dense cranialelectroacupuncture stimulation for major depressive disorder--a single-blind,randomized, controlled study. PLoS One 2012;7(1):e29651.

 


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